
Achtyrka - Herbst, 1901
Öl auf Leinwandkarton, 23,7 x 32,7 cm
"Achtyrka - Herbst", nennt Kandinsky in seinem
handschriftlichen Hauskatalog eines seiner frühesten Landschaftsbilder. Der sparsame
Titel bringt nichts als die sachliche Orts- und Jahreszeitangabe. Kandinsky ist auf
Achtyrka, dem Landgut seiner Schwägerin und Cousine Manja Abrikosoff in der Nähe von
Moskau, häufig zu Gast gewesen und hat verschiedentlich Motive aus diesem Park zu
Bildideen benutzt. Dieses Landschaftsbild ist eines der ersten der über hundert von ihm
selbst so genannten "kleinen Ölstudien", die Kandinsky von der Jahrundertwende
an bis 1907 in unmittelbarer Auseinandersetzung mit der Natur malte.
Warme Herbstonne liegt über dem leuchtenden Park. In zeitloser Stille spiegelt sich das
Laub der Baumkronen und Büsche ockerbunt im dunkeln Teich neben dem satten Grün späten,
frischen Grases und flüchtigem Himmelsblau. Die helle klassizistische Fassade des
Herrenhauses verschwimmt im Wasserspiegel zur Unkenntlichkeit.
"Die Farbenpracht im Bilde muß den Beschauer
gewaltig anziehen und zur selben Zeit muß sie den tief liegenden Inhalt verbergen",
notiert Kandinsky in dieser Zeit. Märchenhaftes zieht ihn an. In dieser ersten Zeit
künstlerischer Auseinandersetzung überhaupt fasziniert ihn in Bildern Rembrandts
besonders das Verschmelzen von Zwischentönen in den großen dunkelfarbigen Flächen. Er
sieht ganz neue Möglichkeiten in der Malerei, empfindet stark die übermenschliche Kraft
der Farbe an sich und ganz besonders die ungeahnten Fähigkeiten, die in der Steigerung
dieser Kraft durch Zusammensetzungen und Gegenüberstellungen liegen.
"Ich sah, daß jede große Fläche an sich nichts
Märchenhaftes enthielt, daß jede dieser Flächen ihre Abstammung von der Palette sofort
bloßgelegte, daß aber diese Fläche durch die ihr entgegengesetzte andere Fläche
tatsächlich eine märchenhafte Kraft gewann, so daß ihre Abstammung von der Palette auf
den ersten Eindruck unglaubwürdig erschien..." Kandinsky
empfand als eine Eigenschaft von Bildern Rembrandts, daß sie "lange dauern",
daß auf dem Weg über die Vielschichtigkeit der Farbe das Element der Zeit im Bilde
lebendig werden kann. Quelle: Frühe Landschaften - Seehamer Verlag