Amsterdam, Blick aus dem Fenster, 1904

Amsterdam, Blick aus dem Fenster, 1904
Öl auf Leinwandkarton, 23,9 x 33,1 cm

Kandinskys Landschaftsstudien der frühen Jahre spiegeln die Bewegtheit seiner äußeren Lebensumstände schon in der Vielfalt ihrer Motive wider. Im Sommer 1903 hatte sich aus der gemeinsamen Arbeit zwischen seiner Schülerin Gabriele Münter und Kandinsky eine Beziehung entwickelt, die von vornherein großen Belastungen ausgesetzt war. Kandinskys erste Ehe mit seiner Cousine Anja Tschimiakin konnte, nach russisch-orthodoxem Ritus geschloseen, nicht ohne weiteres geschieden werden, obwohl sich die Eheleute freundschaftlich zur Trennung entschlossen hatten. So blieb für Kandinsky und Gabriele Münter nur die Möglichkeit, auf Reisen gemeinsam miteinander zu arbeiten und zu leben. Im Frühsommer 1904 reisen sie nach Holland, und es entstand "Amsterdam, Blick aus dem Fenster", eine Ansicht, die sich als Blick aus einem Hotelfenster am Leiseplein ermitteln ließ. Die Gracht gibt Anlaß, wiederum an die Spiegelung alles Realen zu erinnern. Heller Sonnenschein liegt auf Brücke und Vondelpark, helle Schatten auf den Wegen, und bunte Menschen, anscheinend ungeschäftigt, deuten auf einen frischen Sommersonntagmorgen. Im Hintergrund ahnt man den Hafen und die See, die Luft wirkt kühl und klar.